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Holz schützen? – Aber sicher!

Ein kurzer Ratgeber

Informationsschrift | 2. Ausgabe, April 2019 | Planer & Architekten, Privatanwender

Holz und seine Feinde

Holz hat als organisches Material eine begrenzte Lebensdauer und unterliegt dem natürlichen Stoffkreislauf. Witterungseinflüsse – Regen, Sonne, Wind, Schnee, Tauwasser etc. – greifen seine Oberfläche an. Zuerst wird die Holzoberfläche dunkel und fleckig, und nach Niederschlägen zeigen sich häufig braune Ablaufspuren durch Auswaschungen. Später vergraut das Holz zunehmend. Auch Verfärbungen durch Bläuepilze oder Algenbewuchs können sein Erscheinungsbild beeinträchtigen. Ist das Holz über einen längeren Zeitraum starker Feuchtigkeit ausgesetzt, siedeln sich Pilze an, die das Holz in seiner Struktur und Festigkeit so weit schädigen, dass es morsch wird und schließlich verfault.

Auch holzzerstörende Insekten können verbautes Holz befallen, indem diese ihre Eier dort ablegen. Die geschlüpften Larven − im Volksmund häufig als Holzwürmer bezeichnet − fressen sich über Jahre durch das Holz, bis diese es schließlich als voll entwickelte Käfer wieder verlassen.

Die häufigsten und schwerwiegendsten Schäden verursachen jedoch holzzerstörende Pilze. Diese entwickeln sich dann besonders gut, wenn das Holz nass wird und längere Zeit feucht bleibt. Solche Pilze sind schwer erkennbar und führen unweigerlich zur Zerstörung des befallenen Holzbauteils.

Auch Bläuepilze können Wegbereiter für das spätere Auftreten von holzzerstörenden Pilzen sein, indem diese Anstriche durchdringen. In die dadurch entstehenden Risse kann Wasser gelangen − eine ideale Voraussetzung für diese Holzzerstörer.

Holz – Blick ins Innere

Einige Grundkenntnisse über den Holzaufbau und die Holzbestandteile erleichtern das Verständnis für die Maßnahmen, die zum Erhalt von Holzprodukten ergriffen werden müssen. Bei Betrachtung des Holzaufbaus eines Baumes im Querschnitt kann bei den meisten Holzarten zwischen dunklerem Kern- und hellerem Splintholz unterschieden werden.

Unter Kernholz ist dabei der innere Holzteil zu verstehen, der sich mit zunehmendem Alter des Baumes ausbildet und physiologisch nicht mehr aktiv ist.

Als Splintholz bezeichnet man hingegen den äußeren Holzteil, der aus den jüngeren Jahrringen besteht. Es wird aus lebenden Zellen gebildet und dient vor allem dem Wasser- und Nährstofftransport. Splintholz ist grundsätzlich anfällig für Schädlinge.

Die Besonderheit des Kernholzes liegt darin, dass es eine höhere Widerstandskraft gegen Pilze und Insekten – der Fachmann spricht von natürlicher Dauerhaftigkeit − aufweist als das Splintholz. Ursächlich hierfür sind bestimmte eingelagerte Substanzen − z. B. ätherische Öle, Wachse, Fette, Gerbstoffe und Harze −, die gegen solche Schadorganismen wirken. Besonders ausgeprägt ist diese Eigenschaft bei tropischen Hölzern.

Da die Holzinhaltsstoffe des Kernholzes je nach Holzart stark variieren, ergibt sich für die daraus gefertigten Bauteile eine ganz unterschiedliche Haltbarkeit. Wird eine lange Nutzungsdauer ausschließlich unter Ausnutzung der natürlichen Dauerhaftigkeit der Hölzer angestrebt, muss der Anwender beim Einkauf sowohl auf eine ausreichend widerstandsfähige Holzart, meistens aus tropischen Ländern, als auch auf splintfreie Ware achten.

Für den Anwender ergeben sich in der Praxis allerdings folgende Herausforderungen: Zum einen gestaltet sich die Wahl der richtigen Holzart und deren Bestimmung als schwierig, zum anderen sind Kern und Splint bei vielen im Handel angebotenen Hölzern manchmal nicht oder nur sehr schwer erkennbar. Außerdem ist splintfreies Kernholz selten im Handel zu finden und wenn, dann auch nur zu entsprechend hohen Preisen.

Schutzmaßnahmen und Schutzmittel

Die in Deutschland am häufigsten verwendeten heimischen Nadelholzarten verfügen über keinen ausreichenden natürlichen Schutz vor holzzerstörenden oder -verfärbenden Organismen. Daher müssen für diese anfälligen Holzarten andere Maßnahmen getroffen werden. Hierfür bieten sich zwei Wege an:

  1. Konstruktive Maßnahmen
    Mit konstruktiven und baulichen Maßnahmen lässt sich prinzipiell eine anhaltend hohe Feuchte im Holz vermeiden, die Voraussetzung für einen Pilzbefall ist. Beispiele solcher Maßnahmen sind Abschrägungen, damit Niederschlagswasser rasch abfließen kann und Abdeckungen von waagerechten Flächen sowie von offen liegenden Hirnholzflächen. Je besser das Holz vor der Witterung geschützt ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Pilzbefalls. Der Schutz vor holzzerstörenden Insekten kann baulich nur dadurch erzielt werden, dass ihnen der Zugang zur Holzoberfläche verwehrt wird.
  2. Holzschutzmittel
    Wo die natürlichen Inhaltsstoffe zum Schutz des Holzes nicht ausreichen, können Holzschutzmittel einen Befall durch Pilze und Insekten verhindern. Verschiedene, auf den jeweiligen Anwendungszweck zugeschnittene Produkttypen haben alle zum Ziel, den biologischen Angriff von Holzschädlingen durch speziell ausgewählte Wirkstoffe abzuwehren. Die Haltbarkeit des Holzbauteils wird damit um viele Jahre verlängert.

Dort, wo es um die Standsicherheit von Bauwerken geht, müssen die einzubauenden Hölzer vorbeugend durch bauliche und ggf. durch eine Behandlung mit Holzschutzmitteln geschützt werden. Das schreibt der Gesetzgeber vor. Darunter fallen tragende und aussteifende Bauteile wie Träger, Balken und Stützen. Falls eine Behandlung mit Holzschutzmitteln erforderlich ist, dürfen nur zugelassene Holzschutzmittel verwendet werden. Da hierfür besondere Kenntnisse und Verfahren erforderlich sind, dürfen diese nur von Fachbetrieben – in der Regel in eigens dafür ausgelegten Imprägnieranlagen – verarbeitet werden.

Auch andere, dem Wetter ausgesetzte Holzbauteile wie Zäune, Sichtschutzwände oder Holzverkleidungen müssen geschützt werden, soll ein vorzeitiger Ausfall oder Schaden verhindert werden. Dafür gibt es geeignete Holzschutzmittel sowohl für den privaten Verwender, als auch für den Handwerker. Holzschutzmittel für diese Hölzer kommen üblicherweise als Grundierungen oder Imprägnierungen mit ausgewiesener Wirksamkeit gegen Pilze und / oder Insekten in den Handel. Diese Produkte werden in der Regel verstrichen. Anschließend folgt ein farbgebender Endanstrich. Dieser wird abhängig von den technischen Erfordernissen und vom persönlichen Geschmack – z. B. lasierend oder deckend – ausgewählt. Bei so genannten Holzschutzlasuren sind Grundierung und Lasur zu einem Produkt zusammengeführt. Wegen ihres guten Eindringvermögens eignen sich diese besonders für die in regelmäßigen Abständen durchzuführenden Pflegeanstriche.

Der Schutz besonders hochwertiger Holzbauteile wie Fenster und Außentüren sollte durch den Hersteller erfolgen. Nur spezielle Beschichtungssysteme gewährleisten in Verbindung mit einer regelmäßigen Nachpflege eine lange Lebensdauer.

Holzbauteile für den Garten-, Landschafts- und Spielplatzbau sowie für den Wein- und Obstanbau unterliegen einer besonderen Beanspruchung. Daher werden solche Holzbauteile oder -elemente kesseldruckimprägniert angeboten. Das Gütezeichen RAL-GZ 411 bietet hierfür das höchste Qualitätsniveau. Die Hölzer können anschließend farbgebend behandelt werden.

Sollte bei Holzbauteilen ein Befall durch holzzerstörende Pilze oder Insekten bereits eingetreten sein und ist damit die Standsicherheit von Bauwerken gefährdet, so müssen entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, die nur von hierfür qualifizierten Fachbetrieben und Sachkundigen ausgeführt werden dürfen. Hierbei kommen so genannte Bekämpfungsmittel zum Einsatz, die ebenfalls behördlich zugelassen sein müssen.

Zur Bekämpfung von Insekten in Möbelstücken oder anderen Holzgegenständen sind auch zugelassene Mittel zur Verwendung durch den privaten Endverbraucher im Handel.

Schutz des Verbauchers und der Umwelt

Als so genannte Biozid-Produkte dürfen Holzschutzmittel erst in den Verkehr gebracht werden, wenn diese amtlich zugelassen sind. Diese Zulassung, erteilt durch die BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin), beinhaltet neben dem Nachweis der Wirksamkeit des Mittels auch eine umfassende Bewertung seiner Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt.

Erst wenn die Bewertung ergeben hat, dass das Holzschutzmittel bei bestimmungsmäßiger Anwendung keine unannehmbaren Wirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt hat und zudem nachgewiesenermaßen auch ausreichend wirksam ist, wird die Zulassung erteilt. Zugelassene Holzschutzmittel sind an der auf dem Produktetikett angegebenen Zulassungsnummer zu erkennen.

Beispiele für Zulassungsnummern von in Deutschland vermarkteten Holzschutzmitteln:

Auch Holzschutzmittel, die sich noch in der Zulassungsphase befinden, können verwendet werden. Solche Produkte sind an einer Registriernummer (N-Nummer) gemäß der Biozidmeldeverordnung zu erkennen.

Die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung der Produkte erfolgen gemäß den chemikalienrechtlichen Vorgaben.

Die Angaben und Sicherheitshinweise auf dem Gebinde und in den technischen Unterlagen des Herstellers dienen dem Schutz der Gesundheit des Anwenders (z. B. das Tragen von Schutzhandschuhen), der Nutzer des behandelten Holzes sowie der Umwelt. Diese Vorgaben sind immer zu beachten und einzuhalten.

Wetterschutz und Farbgebung

Während die Behandlung mit Holzschutzmitteln den Erhalt der Holzsubstanz zum Ziel hat, haben Wetterschutz- und Holzpflegemittel die Aufgabe, das Eindringen von Niederschlagswasser in das Holz zu verhindern oder zu minimieren, seine Oberfläche vor Sonnenstrahlung zu schützen und diese farblich zu gestalten. Solange der Anstrichfilm intakt ist und damit Nässe vom Holz fern gehalten werden kann, ist die Oberfläche wenig anfällig gegen Pilzbefall. Auf Dauer können diese Mittel aber einem Angriff durch Pilze oder Insekten auf das Holz kaum standhalten.

Erst durch die Kombination von Wetterschutz- und Holzschutzmittel lassen sich optimale Ergebnisse erzielen: Das Holz ist dann zum einen mit einem ausreichenden biologischen Schutz ausgestattet, zum anderen wird die Holzoberfläche wasserabweisend, diese wirkt dekorativ ansprechend und gepflegt.

Entsorgung

Jedes Holzprodukt erreicht nach langer Nutzungsphase irgendwann sein Lebensende und muss dann ordnungsgemäß entsorgt werden. In Abhängigkeit davon, ob und wie das Altholz behandelt ist, wird es bestimmten Kategorien zugeordnet, woraus sich unterschiedliche Entsorgungswege ergeben.

Mit Holzschutzmitteln behandelte Althölzer dürfen nur in hierfür zugelassenen Anlagen verbrannt werden. Damit kann die im Holz enthaltene Energie klimaneutral genutzt werden. Entsprechend zugelassene Entsorgungsfachbetriebe übernehmen die Entsorgung vor Ort. Viele Kommunen bieten eigene Sammelstellen für Altholz an.

Weiterführende Informationen

Die Deutsche Bauchemie e. V. bietet weitere Veröffentlichungen zum Thema Holzschutz und Holzschutzmittel an u. a. das „Merkblatt für den Umgang mit Holzschutzmitteln“. Diese können von der Internetseite www.deutsche-bauchemie.de kostenfrei heruntergeladen oder dort bestellt werden. Darüber hinaus sind Informationen rund um das Thema Holzschutz auf den Internetseiten der Gütegemeinschaft Imprägnierte Holzbauelemente e. V. (www.mit-sicherheit-haltbar.de) zu finden.


Die Fassung der zweiten Ausgabe 2019 erfolgte durch den Fachausschuss 1 „Holz- und Brandschutzmittel“ der Deutschen Bauchemie. Diese Informationsschrift entbindet in keinem Fall von der Verpflichtung zur Beachtung der gesetzlichen Vorschriften. Die Informationsschrift wurde mit großer Sorgfalt erstellt. Dennoch übernimmt die Deutsche Bauchemie keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben, Hinweise, Ratschläge sowie für eventuelle Druckfehler. Aus etwaigen Folgen können deswegen Ansprüche weder gegenüber der Deutschen Bauchemie noch den Verfassern geltend gemacht werden. Dies gilt nicht, wenn die Schäden von der Deutschen Bauchemie oder ihren Erfüllungsgehilfen vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht wurden.

Bildnachweis

Shutterstock (Titelbild); Tobias Huckfeldt, Hamburg; AdobeStock, Martin_P; AdobeStock, maglara; AdobeStock, Graphitéque; Pieper Holz, Olsberg-Assinghausen; AdobeStock, Ingo Bartussek

Diese Informationsschrift entbindet in keinem Fall von der Verpflichtung zur Beachtung der gesetzlichen Vorschriften. Die Informationsschrift wurde mit großer Sorgfalt erstellt. Dennoch übernimmt die Deutsche Bauchemie keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben, Hinweise, Ratschläge sowie für eventuelle Druckfehler. Aus etwaigen Folgen können deswegen Ansprüche weder gegenüber der Deutschen Bauchemie noch den Verfassern geltend gemacht werden. Dies gilt nicht, wenn die Schäden von der Deutschen Bauchemie oder ihren Erfüllungsgehilfen vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht wurden.

Diese Publikation können Sie auf der Homepage der Deutschen Bauchemie e.V.

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